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Architektur
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Der Paradiesgarten
Ulrike-Zeinab Askari
Seit seinen Ursprüngen in Persien verkörpert der orientalische Garten menschliche Vorstellungen vom Paradies. Seine wesentlichen Elemente Wasser, Aroma (der Früchte), Farbe (der Blüten oder Kacheln) und Duft vereinigen sich zu Lustgärten für alle Sinne und zu einem Ort vollkommener Zufriedenheit.
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Palastgarten in Marokko |
Historisch geht die Idee für eine architektonische Anlage eines Gartens auf die Sumerer in Mesopotamien zurück. Dem Weltbild der Sumerer entsprechend entsprang dem Weltberg, der sich im Mittelpunkt des irdischen Kosmos befand, ein Fluss, der sich in vier Flüsse teilte und damit das umgebende Land in ein Koordinatensystem teilte, das kreuzförmig von den vier Flüssen des Lebens durchzogen wurde. Archäologische Funde in der Stadt Samarra, ca. 100 Kilometer nördlich von Bagdad im Iraq gelegen, belegen einen solchen Garten für ca. 2000 v. Chr. Der Bau eines Paradiesgartens war ein symbolischer Akt wiederholter Schöpfung der Welt, mit der sich der König die Welt aneignete und sich in ihren Mittelpunkt stellte.
Berichten des Griechen Lysander zufolge soll es einen solchen Garten in Sardes - in der heutigen Türkei nahe Izmir - gegeben haben, wo er besonders die regelmäßigen Baumreihen und den duftenden Blumengarten bestaunte.
Eine erste vollständige Rekonstruktion eines Palastgartens ist für den von Cyrus dem Großen in Pasargade - 100 Kilometer nordöstlich von Schiraz in Persien - ca. 550 v. Chr.) möglich, bei dem sich sehr klar das System der offenen Wasserkanäle und Becken erkennen lässt. Auch eine offene Säulenhalle ist hier bereits vorhanden, die sich durch die gesamte arabisch-islamische Architektur verfolgen lässt.
Grundsätzlich werden in der arabisch-islamischen Architektur drei Arten von Gärten unterschieden:
1. der Palastgarten, der von Bauten umgeben ist und einen Gartenhof bezeichnet,
2. der Lustgarten, der außerhalb der Residenz und abseits der Stadt angelegt wurde,
3. eine Grabanlage, die meistens dem Verstorbenen vorher als Lustgarten, jetzt aber der Verehrung und Besinnung dient.
Die sonstigen Merkmale sind bis auf regionale Unterschiede gleich. Ansonsten unterscheiden sich die drei genannten Gartenarten einzig in der Größe.
Weitere Gemeinsamkeiten dieser Gartenanlagen sind die Einfassungen oder Ummauerungen, die sie der unmittelbaren Zugänglichkeit und den Blicken der Außenwelt entziehen. Die geometrische Anordnung, die durch die Anlage der Bewässerungskanäle und -becken zustande kommt, ist ebenfalls überall vorhanden. Wasserspiele und Springbrunnen sind den orientalischen Gärten fremd. Dort ging es immer nur um die Funktionalität des Wassers als Leben spendendes und erhaltendes Element. Im Unterschied zu europäischen Gärten sollte durch das gestaute, stille Wasser die Beschaulichkeit unterstrichen werden und auch ein Stillstand der Zeit zum Ausdruck kommen.
Die Bepflanzung war vermutlich eine sehr dichte und homogene, bei der der wichtigste Aspekt war, dass sich die Pflanzen gegenseitig Schatten spendeten. Allerdings kann man über die Art der Bepflanzung nur Mutmaßungen anstellen, da die organischen Substanzen leider das am schnellsten Vergängliche sind. Sicher ist aber, dass der orientalische Garten immer eine Mischung aus Nutz- und Ziergarten war. So finden sich nicht nur Ziergewächse sondern auch Nutzpflanzen dort. Unter den Bäumen finden sich vor allem (Dattel)Palmen, Zypressen, Lotosbäume aber auch Obstbäume wie Feigen, Sauerkirschen, Granatapfel- und Aprikosenbäume, dann niedrigere Gehölze wie Sträucher und Blumen wie Rosen, Jasmin aber auch Getreide und Gemüse und schließlich bodennahe Gewächse wie Kräuter, unter denen sich duftende und Heilkräuter befanden wie Rosmarin, Safran (eine persische Krokusart), Lavendel und viele andere.
Durch die Ausdehnung des islamischen Reiches im Osten bis nach Indien und im Westen bis nach Andalusien wurde auch die Pflanzenvielfalt immer größer, denn es war üblich, möglichst repräsentativ alle bekannten Pflanzen des Reiches zu sammeln.
"Ich rate dir, mein Gebieter, lass dir einen Sommerpalast errichten. Der Palast soll nur wenige Gemächer haben, doch soll er in einem prächtigen und weitläufigen Garten stehen, der alle Pflanzenarten dieser Welt beherbergt. Achte darauf, dass keine Pflanze fehlt, sei sie auch noch so klein." So wird in Windeseile ein Garten angelegt, der der Erholung und seelischen Genesung des Sultans dienen soll. (aus: Salim Alafenisch: Die Nacht der Wünsche, Stuttgart 1998, S. 53)
Die Darstellung des Paradiesgartens mit seiner geometrischen Einteilung fand auch Eingang in die Kunst der Teppichherstellung. Das Motiv des Gartens wurde später auch mit Tieren bereichert, da die Herrscher größere, parkartige Anlagen erschufen, in denen richtige Wildgehege entstanden und in denen auch gejagt wurde. Über die Jahrhunderte hat sich die Gartenanlage in allen arabischen Ländern erhalten, vermutlich, weil ihr im heiligen Buch des Islam, im Koran eine besondere Stellung zukommt und das Paradies häufige Erwähnung findet. |
| Heute noch existierende Beispiele für den Palastgarten sind besonders die marokkanischen Paläste mit ihren Riyads in Fes und Marrakesch. Die Anlagen der Lustgärten sind zwar weitestgehend verloren gegangen, aber aus den Erzählungen von tausend und einer Nacht ist bekannt, dass der Kalif von Bagdad sich gern in den Lustgärten aufgehalten hat. Aus der Zeit des Moghulreiches sind in Kaschmir noch Überreste solcher Lustgärten erhalten, wobei die Bepflanzung verschwunden ist und auch die ursprüngliche architektonische Konstruktion teilweise nur noch mit Mühe zu erkennen ist, da sie oft modernisiert wurde. So auch bei den Tschahar-Bagh-Gärten in Isfahan, die heute von Straßen und Wohnbauten durchzogen sind. Das berühmteste Beispiel für eine Grabanlage, die aus einem Lustgarten hervorging, das wohl jeder Betrachter oft gesehen hat, aber nie als orientalisch-islamischen Paradiesgarten identifizieren würde ist das Taj Mahal in Agra, Indien. |
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