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Festivals in der arabischen Welt
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Tunesien - Douz
Internationales Sahara Festival in Douz
Text und Foto: Barbara Schumacher
Die Ursprünge des Festivals gehen zurück bis 1910. In ähnlicher Form wie heute gibt es das Festival seit 1949 mit einer Unterbrechung von 12 Jahren (1955-1967). Was als nationales "Fest des Kamels" begann, wurde ab 1967 um die Aspekte des Lebens der Beduinen mit ihren Traditionen und ihrer traditionellen Kleidung erweitert und ist seit 1981 ein internationales Festival der Sahara. Es findet einmal jährlich an mehreren Tagen im Dezember, meist um die Weihnachtszeit, statt und gehört zu den schönsten Festivals Süd-Tunesiens. Aus diesem Anlass gibt
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tunesisches Mädchen |
es zahlreiche Begleitveranstaltungen in der Stadt, z. B. Dichter-Wettbewerb, Sufi-Vorträge, Sänger-Wettbewerb, Kunstausstellungen, Ausstellung von Heilpflanzen, Ausstellung historischer Fotos und Ausstellung zu den Themen Ethnographie und Nomadentum in der Wüste, die open air auf dem Marktplatz, im Wüstenmuseum, im Kunst-Zelt, im Haus der Kultur und im kostenlosen Internet-Bus stattfinden.
"Ich habe nie eine Schule besucht, meine Fremdsprachenkenntnisse (deutsch, spanisch und italienisch) habe ich von Touristen. Ich betrachte mich als Professor der Sahara. Ich kenne keine Grenzen und bewege mich in der Wüste auf dem Gebiet von Algerien, Tunesien und Libyen. Meine Mutter stammt aus Algerien, mein Vater aus Tunesien. Mein Kamel habe ich bekommen, als es noch ein Baby war. Ich habe an der Rally Paris-Dakar teilgenommen, aber am liebsten bin ich mit meinen Tieren in der Wüste", so Karim, 22 Jahre, Nomade, Wüstenprofi und Mitglied der Nomadenkarawane des Festivals.
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Die Festival-Teilnehmer kommen aus Tunesien, Algerien, Libyen, Niger und Ägypten. Es herrscht ein großes Aufgebot an Musik- und Tanzgruppen, Reiterstaffeln mit edlen Araber-Hengsten und weißen Rennkamelen. Die etwa 10.000 Zuschauer können insgesamt 300 Tiere und 2.000 Teilnehmer in traditionellen Gewändern bewundern. Die Stadt ist mit Fähnchen festlich geschmückt, auf dem zentralen, Arkaden gesäumten Marktplatz treten die Gruppen vormittags auf, um dann am Nachmittag auf den etwas außerhalb der Stadt gelegenen Festplatz mit Blick auf die unendliche Sandwüste zu ziehen. Hier tummeln sich die begeisterten Zuschauer dicht gedrängt auf der Tribüne, mit Blick auf die für das Fest aufgebauten Nomadenzelte, die für die verschiedenen Gruppen als Startplatz und Verpflegungslager dienen. Im heißen Sand wird Brot gebacken, und
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Trommler |
Minztee ist stets verfügbar. Die Wartezeit zwischen den einzelnen "Auftritten" verkürzt man sich durch traditionelle Spiele mit Steinen im Sand und Musik auf traditionellen Instrumenten, wie Trommel, Mizmar, Oud und Dudelsack.
An jedem Tag stehen andere Attraktionen auf dem Programm. Majestätisch der Auftritt der Tuareg aus Niger, mitreißend die Trommeln der Tunesier, fremdartig die Tänze der Männer der aus der Wüstenstadt Ghat stammenden Tuareg aus Libyen, die von den in der Sonne silbrig schimmernd gekleideten Tuareg-Frauen mit Gesang und Trommeln begleitet werden. Bei den Ägyptern tanzen Männer und Frauen gleichzeitig um einen Mann herum, der einen Stuhl mit den Zähnen festhält, auf dem ein kleiner Junge sitzt. Zwischendurch preschen die libyschen Reiter auf prächtig geschmückten Pferden vorbei, es gibt Windhunde, die Kaninchen jagen, Kamelkämpfe, Beduinenhockey mit einem "Ball" aus Palmbast, Ziegen- und Kamelhaar und besonders beliebt sind die Kamelrennen. Als alle Kamele zum zentralen Brunnen geführt werden, ertönt aus den Kehlen der Besucher auf der Tribüne ETIHILIM =?, ein rhythmischer Gesang, der die Männer begleitet, die das Wasser im prall gefüllten Ziegenlederbeutel am langen, handgeknüpften Seil aus dem tiefen Brunnen holen.
Am letzten Tag gibt es eine tunesische Berberhochzeit, wobei die Braut im bunten Aufbau auf dem Rücken des Kamels den Augen aller entzogen ist, mit Gefolge (EJEHFA), NAKHAN, dem Tanz der Frauen und ELMAYAZI, dem Gewehrfeuer der Männer, die während des Feuerns auf einem Bein zum Rhythmus der Trommeln tanzen. In grandiosem Finale ziehen die Gruppen in bester Stimmung unter Aufbringung aller Klangreserven an der Tribüne vorbei - ein Bild, das farbenfroher nicht sein kann - die bunt gekleideten "Brautjungfern" mit goldenem Beduinenschmuck ziehen alle Blicke auf sich.
Die beste Übersicht auf das gesamte Spektakel hat man mit dem Motordrachenflieger von Longo Luciano, der gleich neben dem Festplatz startet. Der erfahrene, aus Italien stammende Fluglehrer kann einen Passagier mitnehmen: Für 40 Dinar (ca. 30 Euro) kann man das Festival für 10 Minuten aus der Luft genießen - auf Wunsch im Tiefflug. In Longo Luciano's Dünencafé treffen sich nach dem Festival viele Besucher zum Sonnenuntergangstee, wie Monia Bechir Fahem, die mit ihrer ganzen Familie in traditioneller Beduinen-Festtagskleidung das Festival besucht hat. Sie stammt aus Medenine und hat eine Boutique für traditionelle Beduinenkleidung. "Das Festival ist für mich auch gleichzeitig Werbung für meine Boutique, denn viele Leute sprechen mich auf meine Kleidung an", meint sie nicht ohne Stolz.
Wenn man schon einmal in Douz ist, dann sollte man sich in den Festival-Pausen die Umgebung der Wüstenstadt anschauen. Dazu lohnt z. B. ein kleiner Ausflug nach El Faouar mit dem Palmen umstandenen Marabout Sidi Ghanem. Die Kinder des Dorfes erzählen die Geschichte: "Sidi Ghanem war ein vom Sinai stammender heiliger Mann des Stammes der Beni Hilal, der im 13. Jahrhundert die Oase um eine inzwischen versiegte Quelle angelegt hat. Zur Verehrung des Marabout feiert das Dorf jedes Jahr im Oktober ein Fest, dann werden viele Tiere geschlachtet. Die religiöse Kundgebung HADRA findet immer am Samstag/Sonntag statt. Alle fünf Jahre wird die Kuppel des Marabouts umgebaut, erweitert und verschönert. Unsere Großeltern erzählen uns abends viele Geschichten über den Marabout. Das gefällt uns. In der Schule lernen wir nur moderne Dinge und surfen im Internet."
Im nahegelegenen Sabria ist ein gut erhaltenes, restauriertes Fort zu besichtigen, früher auch genutzt als Kaserne der Fremdenlegion an geschichtsträchtigem Ort, dem Limes, der Verteidigungslinie der Römer gegen die Berberstämme. Alle Karawanen in Richtung Djerba kamen hier durch und der Schmuggel blühte. Heute kann man im nebenan gelegenen Camp übernachten oder zumindestens im Fort einen Tee bekommen, den Sabri serviert. Wenn in Douz wegen des Festivals alle Hotels ausgebucht sind, dann ist hier eine Alternative - wenn man ein Auto hat und Besitzer eines sehr warmen Schlafsacks ist.
Information: www.festivaldouz.org |
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