Start       Bestellung       Mediadaten       Links       Leserstimmen        Kontakt       Impressum 
Aktuelles
Historisches
Kritisches
Frauen
Die Gaben der Natur
Musik
Tanz
Literatur
Malerei
Architektur
Kino
arabische Traditionen
Festivals
Austellungen

Zeitschriftenarchiv
Künstlerverzeichnis
Termine
Sitemap
Newsletter  

Frauen


Sufismus und Mode in Libyen Rabia Ben Barka
Text und Fotos: Barbara Schumacher

Ihr Familienstammbaum lässt sich zurückverfolgen bis zu dem berühmten Sufi-Heiligen Abdul Salam Al-Asmer aus Zliten. Die Oasenstadt (etwa 120 km von der Hauptstadt Tripolis und 36 km von Leptis Magna entfernt) ist bekannt wegen gut erhaltener Mosaiken, einer römischen Villa und der Grabmoschee ihres Sufi-Heiligen, der im 16. Jahrhundert lebte. Die Moschee ist mit feinen Keramikarbeiten marokkanischer Kunsthandwerker geschmückt. Sie ist vor allem Ziel vieler libyscher Frauen, die hierher pilgern und um Fruchtbarkeit bitten.

Die Designerin und Modeschöpferin Rabia Ben Barka
wurde in Tripolis geboren. Sie ist die einzige, international
bekannte Modeschöpferin Libyens mit internationalen

Rabia Ben Barka
Auszeichnungen aus vielen Ländern wie z. B. Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko, Niger, Italien, Malta, Schweiz und China. Ihre Spezialität: Für ihre Modelle verwendet sie traditionelle Webstoffe mit afrikanischen Motiven und zaubert daraus höchst erfolgreich nicht nur Kleider mit traditionellen Stilelementen sondern z. B. enge Hosen und ungewöhnliche Oberteile: exotisch und überaus phantasievoll. Auch Kollektionen von Kostümen für traditionellen Tanz hat sie geschaffen. Eine charmantere "Botschafterin" ihres Landes kann man sich kaum vorstellen. Ihr "Markenzeichen" ist eine Kopfbedeckung, die sie, meist aus Tüchern, kunstvoll arrangiert - in fast unendlicher Vielfalt und immer zur Kleidung passend: "In der Öffentlichkeit trage ich das stets - egal ob ich einkaufen gehe, an einer festlichen Veranstaltung teilnehme oder auf Reisen bin." alle."

"In meinem Unternehmen Azyaa Karima werden von den Näherinnen etwa 1000 Kleidungsstücke pro Monat hergestellt," erzählt sie. Ihr ist es zu verdanken, dass der Beruf des Models in Libyen gesellschaftsfähig wurde, was früher absolut undenkbar war. "Ich liebe mein Land. Ein enges Verhältnis habe ich zu den Traditionen Libyens - besonders dann, wenn es um die Tradition des Stoffe Webens geht. In den Webmustern spiegeln sich die Verbundenheit und die Verwurzelung meines Landes mit Afrika. Die Kraft für meine Arbeit schöpfe ich aus der religiösen Mystik der Bruderschaft Soulamia, einem Sufiorden (tariqa), der ganz bestimmte Traditionen in seinen Riten und Gesängen pflegt. Ich fühle mich dadurch besonders kreativen, künstlerisch und musikalisch orientierten Menschen verbunden. Die Soulamia tritt in der Öffentlichkeit nicht so in Erscheinung, wie das beispielsweise die vier Sufi-Bruderschaften in Ghadames tun, die sich einmal im Jahr während des Ghadames Festivals öffentlich präsentieren." Ich erinnere mich an sie, da ich sie einmal während eines der Festivals in Ghadames erleben konnte - mit ergreifend klingenden Gesängen und rhythmisch synchronen Bewegungen der Männer, die die Trance zum Ziel zu haben schienen.

"Mein Großvater war Besitzer einer Textil-Fabrik in Tripolis und mein Vater entwickelte eine spezielle Technik bei der Herstellung der von ihm neu gestalteten Streifenmuster mit Silberfäden. Er frage meine Mutter um Rat bei seinen kreativen Ideen. Sie hat ihn stets ermuntert, während sie an einer kleinen Nähmaschine Kissen und Kleider für Kinder nähte," so Rabia. "Ich besuchte einen italienischen Kindergarten und mit acht Jahren eine englische Schule. Mit meinen beiden Schwestern verbrachte ich den größten Teil der Schulzeit in Montreux, dort besuchten wir La Fontanelle in Vevey, in meiner Klasse war Jane, die Tochter von Charlie Chaplin. Wir spielten Theater und hatten in Jane Sutherland und Noel Coward kritische Zuschauer. Diese guten Zeiten in Europa gaben mir viel Kraft, mein schon seit der Kindheit schlummerndes Talent als Designerin zu entwickeln. In Genf besuchte ich das Language Center und die Interior Decoration School und ging dann nach Florenz, um am Fleming College Kunst und Kunstgeschichte zu studieren. Als ich nach Tripolis zurückkam, hatte ich die Möglichkeit, mich mit den Männern im Architekturbereich zu betätigen, was ich nicht wirklich wollte. Mir erschien eine selbständige Tätigkeit attraktiver. Also beschloss ich, Mode zu machen und durch Kontakte eines englischen Freundes meines Vaters kam ich zur Lucy Clayton School of Fashion und danach zur London School of Fashion. Praktika absolvierte ich inmitten der kreativsten Modeszene in Florenz und ich lernte gründlich das Modehandwerk. Für mich sind die italienischen und französischen Modeschöpfer die besten. Die Zeit war reif, nach Libyen zurückzukehren und Land und Leuten zu demonstrieren, was ich gelernt hatte. Aber ich wurde sehr enttäuscht, weil ich im Land nicht verstanden wurde. Der Anfang war äußerst mühsam, bis ich 1982 meine erste Modenschau in Tripolis hatte. Drei Jahre vorher war ich im ägyptischen Magazin Shabata als "jüngste libysche Modedesignerin und erste libysche Designerin, die die Traditionen in der arabischen Welt modernisiert" gelobt worden. Ich trug und trage ausschließlich von mir selbst entworfene Kleidung, um Werbung für meine Mode zu machen. Es hat mich sehr gefreut, dass Pierre Cardin meine Designs übernommen hat. Er war mehrfach in Libyen und bezeichnete die antiken Amphitheater als die schönsten der Welt. Heute habe ich die First Lady und die Ehefrauen vieler Regierungsmitglieder als Kundinnen. Einer meiner Träume ist eine Modenschau vor der Kulisse der Amphitheater von Leptis Magna oder Sabratha, aber das ist sehr schwer zu realisieren. Generell kann ich sagen: Ich bin noch nicht da, wo ich hin möchte."

Rabia Ben Barka hat Deutschland bereits mehrfach besucht und hier ihre Mode gezeigt. Das ZDF hat eine Reportage über ihr Leben und ihre erfolgreiche Arbeit gebracht. Sie erinnert sich: "Das letzte Mal war ich 2005 in Deutschland, anlässlich des Libyschen Abends eines Deutsch-Libyschen Wirtschaftsforums des Afrika-Vereins, das in Frankfurt am Main stattfand. Der libysche Botschafter S. E. Dr. Said Abdulaati Mohamed hatte neben einer traditionellen Musikgruppe aus Tripolis siebzehn meiner weiblichen und männlichen Models und mich für eine Abendveranstaltung eingeladen. Diesen Abend werde ich nie vergessen, denn unser Flug von Tripolis war mehrere Stunden verspätet und wir hatten kaum Zeit, uns für die Modenschau vorzubereiten. Sie können sich sicher vorstellen, wie Kleider aussehen, die einen Tag im Koffer gelegen haben … Aber wir haben es geschafft, niemand hat etwas bemerkt und zu libyscher Musik haben wir alle mitgebrachten Modelle vorstellen können und viel Applaus bekommen."
Modell von Rabia Ben Barka

Google



Besucherstatistik

Seitenanfang

Start       Bestellung       Mediadaten       Links       Leserstimmen       Kontakt       Impressum 
design by www.mediaagent.net