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Interview mit Saida Abdallah Darar
Ehefrau des Generalkonsuls von Djibouti in Berlin
Das Gespräch führte Barbara Schumacher. Foto: Barbara Schumacher
Die französische Kolonialzeit, die 1977 endete, hat sie nicht erlebt, denn sie wurde nach deren Ende in Djibouti geboren. Seit drei Jahren wohnt sie in Berlin. Ich hatte das Glück, sie im Juni 2007, anlässlich des 30. Jahrestages der Unabhängigkeit Djiboutis kennen zu lernen. Zu der Feier trug sie das "voile" genannte, traditionelle, festliche Nationalgewand der Frauen von Djibouti. Das folgende Interview fand zwei Monate später statt. |

Saida
Abdalla Darar |
"Erzählen Sie uns etwas über Ihre Kindheit und Jugend?"
"Mein Vater war Colonel, meine Mutter Hausfrau. Ich habe eine Schwester und sechs Brüder und nach dem Besuch von Koranschule und Grundschule schickten meine Eltern mich auf das Lycée. Der Unterricht an dieser Gemeinschaftsschule erfolgte in Französisch, Arabisch und Somali. Meine Mitschüler waren hinsichtlich ihrer Herkunft ein gutes Spiegelbild von Djibouti; denn die Bevölkerung von Djibouti besteht aus etwa 60 % Somali - meist vom Stamm der Issa, 30 % Arabern und 10 % Afar, die nahe der Grenze zu Äthiopien leben."
"Wie haben sie das Leben in Djibouti empfunden?"
"Ich habe nach dem Schulabgang mit 16 Jahren eine einjährige Ausbildung zur Sekretärin gemacht und den Beruf dann zu Hause ausgeübt, mein Vater brachte mir die Arbeit. Meine Familie würde ich als Mittelklassefamilie bezeichnen. Die liberal eingestellten Eltern haben mich gelehrt, meine Meinung zu sagen und sie legten Wert darauf, dass wir in der Familie Probleme ausdiskutiert haben. Ich erinnere mich daran, dass es uns wichtig war, armen Leuten zu helfen. Meine Eltern waren sich darin einig, dass man für die Armen Verantwortung übernehmen müsse und sie haben nicht nur für Essen sondern auch für Bildung armer Menschen gesorgt. Unser Familienleben war sehr harmonisch und auch meine Brüder haben mich immer sehr gut behandelt."
"Wie steht es in Djibouti um die Beschneidung von Mädchen?"
"Wir haben ein Gesetz dagegen. Meine Eltern waren stets gegen die Beschneidung, haben sie als kriminell eingestuft und nicht als traditionelle Handlung mit kulturellem Hintergrund."
"Was waren Ihre Jugendträume?"
"Während ich im Fernseher Sendungen über fremde Länder sah, entstand mein Traum, die Welt mit ihren verschiedenen Kulturen kennen zu lernen und verschiedene Sprachen zu sprechen. Verstärkt wurde dies durch die Erzählungen meines Vaters, wenn er von seinen Reisen in die USA und in viele arabische Länder zurückkam, uns Geschenke mitbrachte und uns vermittelte, dass bei jedem Menschen, egal welche Nationalität oder Religion er auch hat, nur Menschlichkeit und Freundlichkeit zählen."
"Wie hat die Heirat Ihr Leben verändert?"
"Mein Mann stammt aus der gleichen Familie und dem gleichen Stamm (arabische Issa) wie ich. Dank ihm bin ich seit drei Jahren in Deutschland, wo es mir sehr gut gefällt, nachdem ich den anfänglichen Kulturschock überwunden hatte, denn hier sind wir ganz allein, in Djibouti war ich stets von den Mitgliedern einer großen Familie umgeben. Ich besuche die Sprachschule, um Deutsch zu lernen und verstehe es recht gut. Die Nachbarn sind sehr hilfsbereit und ich habe guten Kontakt mit den anderen Müttern im Kindergarten meiner dreijährigen Tochter Mona. Natürlich vermisse ich meine Eltern, Geschwister, die Familie, die Nachbarn, die Nomaden, denen wir geholfen haben und sogar die Tiere in meiner Heimat."
"Worauf sind Sie besonders stolz?"
"Zuallererst bin ich stolz auf die Entwicklung meines Landes im Hinblick auf die Frauen. Nach der Unabhängigkeit 1977 hat der damalige Präsident Hassan Gouled Aptidon die Frauen in keiner Weise unterstützt. Seit der amtierende Präsident Ismail Omar Guelleh am 7.4.1999 die Macht übernommen hat, hat sich dies grundlegend geändert. Wir haben zehn weibliche Abgeordnete im Parlament und es gibt zwei Ministerinnen: Hawa Ahmed Youssouf, Ministère Délégué auprès des Affaires Etrangères Chargé de la Coopération Internationale (Auswäriges Amt) und Aicha Mohamed Roblen, Ministère Délégué Chargé de la Promotion de la Femme (Frauenangelegenheiten). Wir haben eine Präsidentin beim höchsten Gericht: Khadija Abeba Moukrea besetzt den Posten der Présidence de la Cour Suprème. Zum zweiten bin ich stolz darauf, den 30. Jahrestag der Unabhängigkeit von Djibouti am 27.06.2007 in Berlin mitgefeiert zu haben. Bei der Feier hat mein Mann eine sehr bewegende Rede gehalten, in der er auch auf die traditionell guten Beziehungen Djiboutis zu Deutschland eingegangen ist."
"Was wünschen Sie sich für die Zukunft?"
"Ich bete, dass unsere Brüder und Schwestern in den arabischen Staaten harmonisch miteinander leben können und das Blutvergießen aufhört. Ich bete für die Menschen, die unter Elend, Hunger und Unterdrückung leiden und wünsche mir Freiheit und Selbstständigkeit für alle." |
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