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Interview mit Saida Zaid, Botschaftsrätin
in der Botschaft des Königreichs Marokko
Das Gespräch führte Barbara Schumacher,
Foto: Barbara Schumacher
In der Botschaft telefoniert sie mit zwei Telefonen gleichzeitig,
Besucher und Kollegen gehen ein und aus, während sie am Computer
arbeitet - nichts scheint sie aus der Ruhe bringen zu können,
denn Anrufer und Anwesende werden freundlich, souverän und zuvorkommend
behandelt.
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Saida Zaid, Botschaftsrätin in der
Botschaft Marokko
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"Ich bin gerade
aus dem Urlaub in Marokko zurück und habe zwei Tage in
der Medina verbracht, um Geschenke einzukaufen, die wir für
Gäste verschiedener Veranstaltungen in der Botschaft brauchen.
Darum hatte mich S. E. Botschafter Rachad Bouhlal gebeten",
sagt sie, als ich etwas erstaunt die vielen Päckchen in
ihrem Büro betrachte.
"Was haben Sie studiert und welche Tätigkeit
hatten Sie, bevor Sie nach Berlin kamen und wie ist Ihre berufliche
und familiäre Situation?"
"Ich habe an der Diplomatic Academy of London 7 Jahre studiert
und meinen Magister in Diplomatie gemacht. Ich habe ursprünglich
an das Prestige gedacht, das mit dem Fach Diplomatie verbunden
ist. Ferner schien mir das Leben in fremden Ländern attraktiv.
Bei der tatsächlichen Berufsausübung stehen dann allerdings
Pflicht und Verantwortung im Vordergrund und der Wunsch, das
eigene Land zu promoten. Nach dem Studienabschluss war ich im
Außenministerium in Rabat tätig und dort zuständig
für den "US desk", also die Verbindung zwischen
Außenministerium und US Botschaft in Rabat. Seit Dezember
2004 bin ich in Berlin. Ich bin Botschaftsrätin für
Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Protokoll, wobei ein
großer Teil der Arbeit aus Management und Organisation
besteht, was auch zu meinen Studienfächern zählte.
Es ist das erste mal, dass ich in Deutschland bin, es gefällt
mir hier. Da mein Mann derzeit als Finanzberater in den USA
arbeitet, weiß ich es als allein erziehende Mutter zu
schätzen, dass meine 10-jährige Tochter und mein 12-jähriger
Sohn in der Europa-Schule gut aufgehoben sind und ich auf Betreuungshilfe
zählen kann, wenn die Arbeit in der Botschaft mich abends
länger fest hält".
"Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit?"
"Erstens ist es aufregend, in ein anderes Land zu kommen
und darin sein eigenes Land zu vertreten. Ich bringe ein wenig
von Marokko nach Deutschland und empfinde es als große
Verantwortung, die eigene Kultur zu vermitteln. Zweitens ist
es interessant, Deutschland kennen zu lernen. Ich will in Marokko
auch etwas über Deutschland erzählen können.
Drittens bin ich sehr zufrieden mit meinem Chef. S. E. Botschafter
Rachad Bouhlal hat einen modernen Führungsstil, ist offen,
er hat Humor, ist ein ausgezeichneter Manager und er delegiert,
sodass ich in der Botschaft innerhalb meiner Kompetenzen eigenverantwortlich
arbeiten kann. Viertens gefällt es mir, auf dem diplomatischen
Parkett ständig neue Menschen und neue Kulturen kennen
zu lernen".
"Was macht für Sie die Attraktivität
des PR-Bereichs aus?"
"PR kann man nur machen, wenn man sich persönlich
engagiert, denn man hat es mit Menschen und Gefühlen zu
tun. Ich mag es sehr, mit Menschen zu arbeiten. Man braucht
einen gewissen Instinkt, um ein Gefühl dafür zu bekommen,
ob die Leute gut sind und es gut meinen. Meine Erfahrung ist,
dass man von Geschäfts- und Gesprächspartnern das
Beste bekommt, wenn man ehrlich ist. Gutes investiert ergibt
gute Ergebnisse. PR basiert in gewisser Weise auf Freundschaft,
genau wie ehrliche Kommunikation. Das habe ich bei meinen insgesamt
13 Jahren Auslandsaufenthalten - 7 Jahre in England, 3 Jahre
in Griechenland, wo ich versuchte, eine eigene Firma aufzubauen
und einige Zeit in Frankreich und in der Schweiz - festgestellt
und auch bei meinen früheren Reisen in Russland, Jugoslawien
und Ungarn. Das Leben ist nichts wert ohne Freundschaft. Das
ist meine Philosophie, mit anderen Worten: Tue Gutes, dann bekommst
Du Gutes, sowohl im Privat- als auch im Berufsleben".
"Wie gestaltet sich Ihre tägliche Arbeit in
der Botschaft?"
"Ich betreue die Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen,
die z. B. zu Besuchen von Delegationen aus Marokko eingeladen
sind. Wenn Funk oder Fernsehen Sendungen über Marokko planen,
kümmere ich mich um die Kontakte. So wurde z. B. im Berliner
Radio "Multi-Kulti" eine Informationssendung gebracht,
die mit einem Quiz verbunden war. Die Preise gewannen ein Ehepaar,
das einen Tag mit dem Botschafter verbrachte und eine Dame,
die eine Reise für zwei Personen nach Agadir gewann. Manchmal
kommen Anfragen von Zeitungs- oder Zeitschriftenredaktionen,
ob sie einen Journalisten nach Marokko schicken können.
Wir helfen dann mit Kontakten vor Ort. Wenn Dokumentar- oder
Spielfilme in Marokko gedreht werden, bitten uns die dafür
Verantwortlichen oft um Hilfe. Ich verfolge dann die Projekte
in Marokko. Oft rufen Schulen an, sie möchten Material
für ein Klassenprojekt über Marokko, wie Karten, CDs,
Broschüren, etc. Ich versorge die Lehrer mit Links zum
Internet. Neulich habe ich einer Klasse Gegenstände aus
meinem persönlichen Besitz geliehen, wie Dschallaba, Tarbouche
und Schmuck. Generell kann man sagen, dass die Botschaft eine
sehr offene Informationspolitik betreibt, was sich auch in der
Öffnung der Botschaft im Rahmen von kulturellen Ausstellungen
in unserem Kulturraum äußert, zu dem die Öffentlichkeit
Zutritt hat. S. E. Rachad Bouhlal war kaum in Berlin als Botschafter
akkreditiert, als er die Idee zu diesem Kulturraum hatte. Die
Resonanz auf unsere zahlreichen Gemälde- und Fotoausstellungen
ist sehr groß.
"Was gefällt Ihnen an Ihrer Heimat Marokko?"
"In Marokko fühle ich mich überall wie zu Hause,
egal in welcher Gegend ich bin, denn Marokko ist ein Schmelztiegel
für viele Kulturen. Araber und Muslime gingen von Spanien
nach Marokko und wieder zurück. Araber aus der gesamten
Arabischen Welt kamen nach Marokko. Ich fühle mich hier
wie ein internationaler Bürger. Die Araber sollten ihre
Herzen anderen Völkern und anderen Religionen öffnen
und die Europäer sollten dasselbe tun. Mehr Toleranz auf
beiden Seiten wäre für alle von Vorteil. Durch die
Vielzahl der Kulturen, die Marokko geprägt haben, ist das
Land besonders interessant. Ich habe z. B. ganz in der Nähe
der jüdischen Gemeinde in Fez gelebt. Jeden Tag führte
mich mein Weg durch die Straßen der jüdischen Nachbarschaft.
Viele Häuser waren gleichzeitig von Arabern und Juden bewohnt.
Die Araber wohnten meist oben, die Juden unten. Bei den jüdischen
Häusern waren die Treppen-Stufen farbig bemalt, das diente
der Desinfizierung, alles war sehr sauber. Wir kannten den Sabbat
und respektierten ihn. Ich erinnere mich an eine alte Jüdin,
die wir oft fragten, warum sie nicht nach Israel gegangen sei.
Sie sagte dann: "Die jungen Leute hier brauchen mich mehr
als die in Israel". |
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