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Historisches
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Al
Andalus - Kultur, Tanz und Musik in der Maurenzeit
Copyright by Havva, 1998/2001, mit freundlicher Genehmigung
Der
alte, klassische arabisch-andalusische Tanz hat weder in seinen
Bewegungen, noch mit seinen Kostümen geschweige denn in seiner
Musik viel mit dem heutigen Flamenco -Tanz zu tun. Das kann er auch
gar nicht, kamen doch die Zigeuner erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts
n. Chr. nach Spanien. Um diese Zeit wurde Granada als letzte Bastion
der Mauren in Spanien gerade von den Christen erobert. Die Stadt
fiel 1492 endgültig an die Christen und damit fiel alles Islamische
gnadenlos der Inquisition anheim.
Al Anadalus - Zentrum
der Weltkultur - geschichtlicher Überblick
Al Andalus war für nahezu 800 Jahre das arabische Zentrum der
Weltkultur. Der Legende nach heißt es, dass Roderich, der
letzte König der Westgoten, sich im Jahre 711 n. Chr. an Florinda,
der Witwe seines Vorgängers Witiza vergangen habe. Florindas
Vater, Graf Julian von Ceuta, habe daraufhin aus Rache den aus dem
Osten kommenden Muslimen Schiffe zur Überfahrt zur Verfügung
gestellt. Der erste Vorstoß des Tariq ibn Malik Nachi sei
so erfolgreich gewesen, dass der islamische Gouverneur von Tanger
mit vier Transportschiffen des Grafen Julian über 7.000 Mann
in Gibraltar abgesetzt habe. Gibraltar - "Dschebel al Tariq",
der Berg des Tariq - so seinen Namen erhalten. Roderich wurde geschlagen,
und die Muslime eroberten Spanien ohne nennenswerten Widerstand.
Als einer der Gründe hierfür mag gelten, dass die Urbevölkerung
Spaniens, die Iberer, zu den Berbern Nordafrikas eine größere
kulturelle Nähe hatten als zu den römisch-indogermanischen
Völkern.
Die Muslime nannten ihr
neues islamisches Land "al Andalus", was möglicherweise
eine Arabisierung des römischen "Spania" war. Wahrscheinlicher
ist jedoch die These, Andalusien käme von Vandalusien und stamme
aus der Zeit der Völkerwanderung der Vandalen. Eine weitere
Begriffsinterpretation leitet sich vom gotischen "Landahlauts"
ab, was soviel wie "landlos" bedeutet und auf die westgotischen
Eroberer hinweist, die in ihrer Heimat landlos waren.
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Schmelztiegel der
Religionen und Kulturen
Die Muslime hatten von Anfang an eine große Akzeptanz bei
der einheimischen Bevölkerung und so konnte sich im Laufe der
folgenden Jahrhunderte "Al Andalus" zu einem Schmelztiegel
der Kulturen entwickeln. Bei den Juden wurde das biblische "Sepharad"
bereits in alter Zeit mit Spanien gleichgesetzt und die Epoche ihrer
Geschichte im Land Sepharad gilt als das goldene Zeitalter. Unter
der Herrschaft der Mauren konnten sie frei von Verfolgung und gesellschaftlichem
Druck ihrer Religion und ihren Lebensgewohnheiten nachgehen. Ebenso
gut erging es den Christen.
Die damals in Al Andalus lebenden Menschen teilte man in sechs Bevölkerungsgruppen
ein. Die Araber in Spanien gliederte man in die im Lande geborenen
und die Syrer. Die aus Afrika herübergekommenen Berber siedelten
hauptsächlich im Süden des Landes als Bauern. Die vierte
Gruppe der Bevölkerung bildeten die einheimischen Konvertiten
zum Islam. Die fünfte Schicht waren die Musta'ribun, die Mozaraber,
die arabisierten Christen, die Romanisch und Arabisch sprachen.
Die letzte Bevölkerungsgruppe stellten die Juden.
Nach der islamischen
Eroberung war zunächst Sevilla die Residenz, doch bereits wenige
Jahre später wechselte die Regierung nach Cordoba. Unter Abd
al Rahman II. (822 - 852) wurde Cordoba (arabisch: Qurtuba) zur
prunkvollen Hauptstadt ausgebaut. Es erhielt einen großen
Palast und eine Hallenmoschee nach syrischem Vorbild. Auch die Hofhaltung
Cordobas ahmte syrisch-omajadische Traditionen nach, ohne deshalb
die von den Abbasiden eingeführten persischen Sitten abzulehnen.
Die Abbasiden (750 - 1258) hatten zwischenzeitlich die Herrschaft
in Bagdad übernommen und die Hauptstadt des Kalifenreiches
zum Mittelpunkt der islamischen Musikkultur gemacht. Unter Harun
al Raschid (786 - 809) erlebte die Musikpflege in Bagdad ihren Höhepunkt. |
Dabei kam es auch zu Auseinander-
setzungen zwischen den Vertretern
des neuen persischen Stiles (Ibrahim
ibn al Mahdi) und des alten
arabisch-
hedschasenischen Stiles (Ishaq al
Mausili). In der Folge
gingen durch
die rein mündlichen Überlieferungen
viele
alte Musiktraditionen verloren,
zumal einer der nachfolgenden Kalifen,
al Ma'mun, als Sohn einer Perserin
dem Arabertum nicht sonderlich
zu-
geneigt war.
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Tariq ibn Malik Nachi und Begleiter, Foto: Museum in Gibraltar |
Arabische Segenssprüche
für katholische Kirchen
Seit in Südeuropa Muslime, Juden und Christen aufeinander trafen,
zeigte sich die kulturelle Überlegenheit der Muslime über
die Christen westlich der byzantinischen Grenzen. Deutsche und angelsächsische
Könige prägten Münzen nach dem Vorbild der arabischen
Dinare. Europas Adel und sein Bürgertum trug orientalische
Seiden und Baumwollstoffe, importierten orientalische Teppiche und
setzten kopierte arabische Segenssprüche auf die Wände
ihrer Kirchen. Normannische Könige und deutsche Kaiser trugen
bis 1806 mit arabischen Texten bestickte Prunkkleider. Arabisch
wurde die Sprache der Gebildeten und zur Hauptliteratursprache.
Christen wie Juden sprachen sie, so dass kirchliche Anweisungen
ins Arabische übersetzt werden mussten, um im Süden verstanden
zu werden. Die Mozaraber und die führenden Gelehrten der Juden
wie zum Beispiel Maimonides, schrieben in der Sprache des Propheten
Mohammed.
Die Araber verfassten zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert etwa 260
Werke über Musik. In Europa dagegen gab es nichts zwischen
dem 6. und 9. Jahrhundert. Es ist nicht ein einziges byzantinisches
Werk zwischen dem 4. und 10. Jahrhundert nachzuweisen. Zahllose
Werke der Medizin, Mathematik, Philosophie, Literatur und Theologie
wurden aus dem Arabischen ins Lateinische, Hebräische und Kastilische
übertragen und waren die Quelle geistiger Befruchtung für
Europa. Jahrhunderte lang unterrichteten Europas Universitäten
nach in Spanien übersetzten Lehrbüchern der Medizin.1
Bei diesem Sachverhalt ist die Bemerkung über eine damalige
Form der Urheberrechtsverletzung des Ibn 'Abdun nicht verwunderlich,
dass "wissenschaftliche Bücher nicht an Juden und Christen
verkauft werden sollten, da diese sie übersetzen und als ihr
geistiges Eigentum ausgeben".2
Der starke maurische Einfluss ist heute noch in Andalusien zu spüren
und zu besichtigen: Neben der Alhambra, der Festung in Granada,
ist in Cordoba vor allem die berühmte vielsäulige Moschee
zu bewundern, die nach der Reconquista in eine Kirche umgewandelt
wurde. In abgelegenen Bergdörfern kann man sogar noch auf alte
Berbertänze treffen, die überlebt haben.
Einst war auch Sizilien eine Hochburg der Toleranz zwischen Christen,
Juden und Muslimen, gleichzeitig ein Hort der Künste und der
Wissenschaften. Hier herrschte im Mittelalter Friedrich II., gest.1250,
bekannt für seine Liebe und Bewunderung allem Arabischen gegenüber:
Unter anderem hatte er auch "sarazenische Ballerinas und Sängerinnen"
an seinem Hof beschäftigt. Er selbst verfasse ein Buch über
die Falknerei auf Arabisch. Nach seinem Tod wurde er von seinen
muslimischen Truppen zu Fuß bis nach Tarent gebracht, sein
Leichnam war in ein weißes, mit goldener arabischer Schrift
besticktes Tuch gehüllt.
Nach dem Untergang des
Kalifats der spanischen Omajaden verlor der maghrebinische Islam
in zahlreichen Kämpfen mehr und mehr an Boden. Sizilien und
die Balearen wurden von den Christen zurückerobert, das muslimische
Reich in Spanien schrumpfte zusehends, bis schließlich nur
noch das Emirat Granada als Vasallenstaat bis 1492 bestehen blieb.
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Das Ende Granadas
- Bücherverbrennungen und Zwangstaufen
Das Ende Granadas kam, als sich die christlichen Königreiche
Kastilien und Aragon 1479 durch die Heirat von Ferdinand und Isabella
vereinigten. Der Erzbischof von Toledo ließ nicht nur die
theologischen Werke des Islams verbrennen. In Cordoba fielen 80.000
Bände wissenschaftlicher Arbeiten über Medizin, Astronomie,
Mathematik, Musik und Philosophie den Flammen des Fanatismus zum
Opfer. Wer nicht konvertierte, wurde getötet oder musste ins
Exil, oft wurden die Menschen auch noch ihres Hab und Guts beraubt,
indem man all ihren Besitz beschlagnahmte. Das galt für Juden
genauso wie für Muslime. Doch auch die als unzuverlässig
geltenden Christen, die Mozaraber, waren der Inquisition der Reconquista
ausgesetzt. Verdächtig machte sich bereits, wer mit Olivenöl
kochte, da sowohl Muslimen als auch Juden die Verwendung von Schweinefett
untersagt war.3
Mehr als eine halbe Million Menschen verließ Andalusien und
wanderte nach Nordafrika oder bis nach Griechenland aus. Mit den
anti-islamischen Gesetzen von 1566 war die islamische Periode in
Spanien endgültig vorbei.
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Kunst und Kultur,
Erotik und Sinnesfreuden in den Palästen
Die Erotik, das Körperbewusstsein und die Genussfreude in Al
Andalus waren eng an das Frauenbild des frühen Islam gebunden.
Erst unter dem Einfluss Persiens entstand jene islamische Gesellschaft,
welche die Frauen im Harem hielt und ihnen in der Öffentlichkeit
das Tragen von Schleiern auferlegte. Jedoch war das Verhältnis
der Männer zu den Frauen ambivalent: Je höher die Stilisierung
der Frau zum Göttlichen und Reinen auf der einen Seite wurde,
desto mehr hatte die Prostitution auf der anderen ihre Blütezeit.
Trotzdem wurden Sklavinnen häufig Konkubinen, die es auch zu
gesellschaftlichem Ansehen brachten. Eine Stufe höher standen
die Musik-, Tanz- und Gesangssklavinnen, die oft mit viel Aufwand
in den Künsten ausgebildet waren und dank ihrer Bildung als
Kurtisanen bei Hofe oder in Adelskreisen außerordentlich begehrt
waren. Ihnen wurde nicht nur in Bezug auf ihre Liebesverhältnisse
viel Freiheit gelassen. Al Baha z. B. gab sogar einer Moschee im
Vorort von al Rusafa ihren Namen, andere wie Mu'ammara legten auf
eigene Kosten einen Friedhof an und waren für ihre Nächstenliebe
bekannt. Manche Emire bauten für ihre Lieblingskonkubinen eigene
Paläste oder benannten Stadtviertel nach ihnen. Hatten sie
das Glück, dem Emir einen Sohn zu gebären, dann war ihr
Recht auf Freiheit nach seinem Tode gesichert.
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Mandragora und Belladonna
Bei der hohen sozialen Bedeutung der Erotik in Al Andalus waren
natürlich auch Aphrodisiaka weit verbreitet. Angefangen vom
offiziell verbotenen Wein über die geheimnisvolle Mandragora
(Alraune), die Tollkirsche oder Belladonna, dem besonders im maurischen
Spanien weit verbreiteten Stechapfel bis zur Muskatnuss und zum
Haschisch, war alles eine Frage der Dosis, ob es stimulierend, einschläfernd
oder toxisch wirkte.4
Die Geschichten von den maurisch-andalusischen Trinkgelagen erinnern
gelegentlich an die Bacchusfeste der Römer. "Al Kattanis
Tänzerinnen könnten ebenso gut Bacchantinnen gewesen sein".5
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Christliche Prüderie
Sinnlicher Genuss, d.h. Genuss mit allen Sinnen, umfasste natürlich
nicht nur Musik und Tanz, sondern ebenso Speisen und Getränke,
Wohlgerüche und damit verbunden eine ausgeprägte Bade-
und Reinlichkeitskultur. Als zehn Jahre vor der Eroberung Granadas
der Badeort Alhama (von arabisch "Al Hamam" - die "heiße
Quelle") einem christlichen Überraschungsangriff zum Opfer
fiel, waren die Mauren von diesem Frontalangriff auf ihre Kultur
schwer getroffen. Das Gelübde der katholischen Königin
Isabella, bis zur Eroberung Granadas ihr Hemd nicht mehr zu wechseln,
bezeugt die konträre, christlich-prüde Einstellung zur
Körperlichkeit, "die Schmutz nunmehr als Vorstufe zur
Heiligkeit erhob."6
Musik und Tanz
Während der Regierungszeit Abd al Rahmans kam der berühmte
Sänger und Musiker Ziryab an den Hof nach Cordoba und soll
dort die persische Musik und die persische Hofmode in Spanien eingeführt
haben. Abu l'Hasan ibn Nafi, der wegen seiner dunklen Hautfarbe
Ziryab genannt wurde, war in Mesopotamien geboren und vom Kalifen
al Mahdi freigelassen worden. Als Schüler des berühmten
Ishaq al Mausili, der unter Harun al Rashid wirkte, machte er sich
am Hof in Bagdad schnell einen Namen. Nach Unstimmigkeiten am Hof
verließ er Bagdad und kam 822 nach Al Andalus, wo er bis zu
seinem Tode 857 blieb.7
Da Abd al Rahman sich in der Hofhaltung auch sonst am Beispiel Bagdads
orientierte, das tradtionsgemäß Sängerinnen aus
Mittelasien und Chorasan bevorzugte, kann man den persisch-zentralasiatischen
Ursprung des klassischen arabisch-andalusischen Hoftanzes als gesichert
betrachten. Die sich in Syrien und Ägypten erhaltenen Überlieferungen
von Bewegungen und Kostümen sprechen ebenfalls für diese
Annahme.
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Muwashahat und Zajal
Der Sänger und Musiker Ziryab wurde außerdem dafür
bekannt, dass er eine fünfte Saite auf der Laute (al Oud) anbringen
ließ, eine eigene Musikschule gründete und jene Musik
prägte, die noch heute in Nordafrika als andalusische Musik
ausgeübt wird. Sie hat auch die Volkskunst Spaniens stark beeinflusst.
Zum Ende des 9. Jahrhunderts entstand in Qabra (bei Cordoba) eine
spanisch-islamische Sonderform der Lieddichtung, die "Muwashah".
Sie fügte an arabische oder hebräische Lieder kurze romanische
Schlussverse an. Der blinde Poet Muqqadam ibn Mu'afa soll sie mit
ihrer sehr eigenwilligen Metrik erdacht haben. So trat neben die
besonders von importierten Sängerinnen aus Vorderasien gepflegte
arabische Musik eine regional geprägte spanische Musik.
Die Blütezeit
Mit der Berberherrschaft in Spanien (1050 - 1200) begann die eigentlich
maurische Phase der maghrebinisch -andalusischen Kultur, die sich
deutlich von der Kunst des arabischen Ostens unterschied und als
ihre Blütezeit bezeichnet wird. Die Zeit der Kleinkönige,
der Muluk al Tawa'if, in den zahlreichen Emiraten und Fürstentümern
hinterließ eine Fülle von Gedichten und literarischen
Sammelwerken. Bedeutung erhielt in dieser Zeit auch das Kurzgedicht,
das Zajal. Hier ein Beispiel:
"Ein
Lachen, Perlen enthüllend,
Ein Gesicht, schön wie der Mond.
Die Zeit ist zu eng, das zu fassen,
Mein Herz aber fasst es."
Al-A'ma
al Tutili, 12. Jh.
Die Freunde dieses Meisters
des Kurzgedichtes sollen daraufhin ihre eigenen Gedichte zerrissen
haben.8
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Al Andalus - Heimat
und Ursprung des Minnesangs
Ein der europäischen Liebesdichtung bis dahin fremder Zug war
die abstrakte Behandlung der Geliebten. Die Angebetete wurde und
wird in der arabischen Poesie gewissermaßen verschleiert und
nicht beschrieben. Die abstrakte Idealisierung der weiblichen Schönheit
in Al Andalus wurde zum Urbild des Frauenideals der europäischen
Minnesänger, deren Lieder und Gesänge stark von der maurischen
Tradition beeinflusst waren.9
Neben Toledo und Cordoba war Sevilla vor allem bekannt durch seine
Instrumentenherstellung. In einem überlieferten Gespräch
heißt es: "Wieso kommt es eigentlich, dass dann, wenn
ein Gelehrter in Sevilla stirbt, dessen Bücher nach Cordoba
gesandt werden; wenn aber ein Musikant in Cordoba stirbt, schickt
man seine Instrumente nach Sevilla?"
Wir erfahren auch von Musikfesten während der Mondscheinnächte
in Triana, einer Vorstadt Sevillas, wo der begabte Ibn Sahl seine
Muwashahat, seine Strophengedichte, schrieb.Das Bild, das uns vom
Musikleben im mittelalterlichen Spanien vermittelt wird, ist auffallend
bunt und differenziert. Häuser und Straßen waren voller
Musik, nicht nur an den anerkannten Tagen häuslicher Freude,
wie Geburt, Beschneidung und Hochzeit, sondern auch im Alltagsleben
bei der Arbeit, da "die Gesänge die Arbeit erleichtern
und die Müdigkeit der Seele vertreiben."10
Die "zamra", die die Spanier Zambra nannten, war ein regelmäßig
stattfindendes Musikfest der Mauren, das unter freiem Himmel gefeiert
wurde und auch den "raqs", den Tanz, mit einbezog.11
Der nach der Rückeroberung
im Land zurückgebliebene und zum Christentum konvertierte Maure
wurde Morisco genannt. Unter allen im 15. Jahrhundert erwähnten
Tänzen ist der Moriskentanz der am häufigsten genannte.
Er trat in zwei Formen auf: Als Einzeltanz ungefähr in der
Form, wie ihn die Tänzer an den maurischen Höfen dargebracht
haben könnten und als Paar- oder Gruppentanz mit dem Motiv
des Schwertkampfes zwischen Mauren und Christen. Typisches Merkmal
des Moriskentanzes, wie ihn der Tanzschriftsteller Thoinot Arbeau
in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte, waren die
schwarz gefärbten Gesichter der Tanzknaben, ein weißes
oder gelbes Band um die Stirn und Schellen am Bein. Die Tänze
der Morisken haben sich in vielen europäischen Ländern,
meist als Chorreigen und Schwertanz, bis heute erhalten.
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Die Zambra Mora und
die Zambra Granadina
Das Flamencoleben in Granada war anders als im südwestlichen
Andalusien. Als die Zigeuner nach Granada kamen, hatten die Mauren
dort 200 Jahre länger gelebt als im übrigen Andalusien.
Als Ausdruck ihrer wichtigsten Kunstformen - Musik und Tanz - galten
ihre "Zambras", das orientalische Erbe der großen
Kalifate im 10. und 11. Jahrhundert. Dieses ehemalige maurische
Fest wurde fortan von den Zigeunern übernommen und das Wort
"Zambra" bedeutet seitdem auch "Zigeunerfest".
Die Namen "Moriska"
und "Zambra" werden in Europa oft synonym für Chortänze
in der Doppelfrontform verwendet. Die "Zambra", die einst
zum Klang der Flöten und Oboen - arabisch "zamr"
= Oboe - getanzt wurde, war, wie die Dichter es schilderten, eine
Danza moriska, von Moros und Moras Hand in Hand ausgeführt.
Vermutlich war sie auch mit den oben erwähnten Musikfesten
der Mauren verwandt, bzw. Fest und Tanz hatten die gleiche Bezeichnung.12
Das Zigeunerfest bzw. die Zambra, die in den Höhlen des Sacromonte
gefeiert wurde, war die Zambra granadina. Befragt man Flamencotänzer
von heute, so erfährt man nur noch, dass die Zambra oder "Zambra
mora" (auch Danza mora, Danza moriska) ein sehr arabisch beeinflusster
Tanz war, der barfuss, mit offenen Haaren und einem kürzeren
Rock getanzt wurde. Die Tänzerinnen begleiteten sich selbst
häufig mit einem Tamburin. Bedauerlicherweise sind die letzten
Lehrerinnen, die noch die Zambra unterrichten konnten, inzwischen
verstorben.13
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Die Hoftänze
der Maurenzeit
Abbildungen von Tänzerinnen der arabischen Zeit in Spanien
sucht man meist vergeblich, haben doch die "katholischen Könige"
mit ihrer anti-islamischen Zerstörungswut die meisten Zeugnisse
ausgelöscht. Nach dem bisher Gehörten dürfte es aber
nicht allzu schwierig sein, sich die Tänzerinnen vorzustellen,
die im sinnenfreudigen Al Andalus getanzt, gesungen und musiziert
haben. Die Musik wie auch die Mode waren persisch beeinflusst, das
gesamte Hofleben war recht bald im Stil des Bagdader Vorbildes aufgebaut.
Und dort bevorzugte man seit jeher Tänzerinnen und Sängerinnen
aus Chorasan. Denkt man sich die weiteren Einflüsse dieser
ungeheuer kreativen Zeit hinzu, betrachtet man die Musikinstrumente,
die in jener Zeit dort gespielt und hergestellt wurden und erfährt
man, mit wievielerlei Zimbeln, Klappern und Kastagnettenarten sich
die Tänzerinnen selbst begleiten konnten, so dürfte es
sich bei den damaligen Vorführungen um eine ausgefeilte, hoch
entwickelte Tanzkunst gehandelt haben. Die zahlreichen Rhythmen
waren kompliziert: noch heute gilt das Erlernen des klassischen
Muwashah bei den arabischen Musikern als schwierig. Ein bewegliches
Rückgrat, dezente Hüftbewegungen wie die horizontalen
Hüftachten, mit Arabesken gekrönte kleine Sprünge,
vor allem aber differenzierte Arm- und Handbewegungen, weiche Kopfbewegungen
und raffinierte Posen - so könnte dieser Tanz ausgesehen haben.
Wie bei allen Hoftänzen mussten die Kostüme hierzu edel
und effektvoll sein, gleichzeitig aber genügend Bewegungsfreiheit
lassen: wertvolle, weich fließende Stoffe, Pluderhosen oder
Röcke, in der Taille gegürtet, anliegende Oberteile mit
weiten Ärmeln und eventuell dekorative Schals, die an den Handgelenken
befestigt waren, um die Armbewegungen zu unterstreichen. Turbanartiger
Kopfputz wie auch raffinierte Flechtfrisuren vervollständigten
das Bild.
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Fußnoten
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| 1 |
Geschichte der Musik (1990): Hochkulturen des Ostens, Altertum,
Mittelalter, S. 161 |
| 2 |
Brentjes, Burchard (1992): Die Mauren - Der
Islam in Spanien und Nordafrika S. 197/198/ 199 |
| 3 |
Hilgard, Peter (1997): Der Maurische Traum
S. 149 |
| 4 |
Hilgard, Peter (1997): Der Maurische Traum
S 73/74 |
| 5 |
Hilgard, Peter (1997): ebenda. S. 94 |
| 6 |
Hilgard, Peter (1997): ebenda. S. 226 |
| 7 |
Da Zyriab im altarabischen Musikstil von al
- Mausili gelernt hatte, ist es eher unwahrscheinlich, daß
er die persische Musik am Hofe zu Cordoba eingeführt
haben soll. Er wird jedoch nicht der einzige "zugereiste"
Musiker aus Bagdad gewesen sein, zumal der Nachfolger von
Harun - al Raschid - wie bereits erwähnt - alles Persische
bevorzugte. |
| 8 |
Farmer, H. G. (1966): Musikgeschichte i. Bildern; Band 3,
L 2, Islam S. 46 |
| 9 |
Auf der CD "Rumba Argelina" von
der Musikgruppe "Radio Tarifa" findet sich z. B.
das vertonte Gedicht "Nu alrest" von Walter von
der Vogelweide (gest. 1230), das sich nahtlos in die übrigen
andalusischen Stücke einfügt. |
| 10 |
vgl. Farmer, H.G. (1966) |
| 11 |
ders., ebenda. S. 46 |
| 12 |
Der englische Morris Dance, dessen Form -
sechs Männer, ein Narr, ein als Frau verkleideter Knabe
und ein als Pferd verkleideter weiterer Mann - ist ein direkter
Abkömmling des Moriskentanzes. Die Melodie, die besagter
Thoinot Arbeau 1588 für den echten Moriskentanz in Frankreich
notierte, wurde schon 1550 in England als Morris Dance gedruckt
und wird noch in unseren Tagen von englischen Volksgeigern
gefiedelt. Auch in England wurde der Morris Dance in Kirchen
getanzt. Die klassische Tänzerzahl von sechs Teilnehmern
im Morris Dance wurde früher auch in spanischen Kathedralen
angewandt. Sie heißen - ungeachtet der tatsächlich
teilnehmenden Tänzeranzahl - heute immer noch "los
Seises", "die Sechs". |
| 13 |
Information der Flamencotänzerin Carmen-Diana Felchtner
/ Heidenheim |
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