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Literatur / Bücher


Buchmesse
Notizen von der Frankfurter Buchmesse
Ulrike-Zeinab Askari

Das "Forum" war den arabischen Büchern - in arabischer Sprache und allen europäischen und sonstigen Sprachen (als Übersetzungen aus dem Arabischen oder über Themen rund um die arabische Welt) - und den Büchern, die sich mit Themen rund um die arabische Welt beschäftigen, vorbehalten. Leider fad auf der gesamten Messe kein Verkauf statt, oder sollte ich sagen: glücklicherweise. Sonst wäre wohl so mancher mit einem Arm voller Bücher und einem leeren Portemonnaie nach Hause gekommen.
Aber vielleicht fange ich mit dem Anfang an: Am Samstagabend kamen wir leider zu spät, um noch auf's Messegelände zu gehen. Unser Gastgeber, ein irakischer Dolmetscher, schlug vor, zu einer Abendveranstaltung in das "Museum für Weltkulturen" zu gehen. Dort gab es Vorträge von arabischen Fachleuten über "Die Kreativität" der arabischen Frauen."
Ein Professor aus Ägypten hielt einen eindrucksvollen Vortrag über arabische Bildhauerinnen. Er nannte zahlreiche Namen, die etlichen Anwesenden - mehr als die Hälfte der ca. einhundert Zuhörer waren arabischen Ursprungs - bekannt zu sein schienen. Leider gab es keine Dias oder sonstigen Bildbeispiele, so dass das Gesagte sehr theoretisch blieb. Interessanterweise fand ich am folgenden Tag im "Pavillon des Gastes", wo Veranstaltungen wie Lesungen und Vorträge usw. mit und über arabische Schriftsteller stattfanden, einen sehr schönen Katalog, in dem BildhauerInnen und MalerInnen aus allen arabischen Nationen portraitiert sind zum Teil mit sehr eindrucksvollen farbigen Abbildungen.
Den Vortrag der Schriftstellerin haben wir leider nicht mehr mitbekommen, dafür aber den von Ratiba el-Hefni (Ägypten), die lang und breit über ihren berühmten Vater sprach, über ihren eigenen Werdegang, aber leider wenig über arabische oder insbesondere ägyptische Musikerinnen und/oder Komponistinnen. In einem Beispiel zeigte sie deutlich, dass sie offensichtlich mit der ägyptischen Gesellschaft, so wie sie sich tatsächlich darstellt, wenig Kontakt hat: Sie erzählte, dass noch vor kurzer zeit (wann das war, ließ sie offen) in fast jedem ägyptischen Haushalt ein Klavier gestanden habe. Das hätte selbstverständlich zur Aussteuer der Mädchen dazu gehört.
An und für sich wäre eine solche Aussage einfach lächerlich, wenn sie nicht von übereifrigen und ahnungslosen Journalisten als Tatsache - "Sie ist Ägypterin, sie muss es ja wissen!" - in die Welt hinaus getragen würde.

Um Ratibas Aussage ins rechte Licht zu rücken, muss dazu gesagt werden, dass es schon möglich ist, dass das Klavier zur Aussteuer dazu gehörte, jedoch nur in einer kleinen und äußerst privilegierten Schicht der ägyptischen Aristokratie.
Leider ging Ratiba el-Hefni auch nicht auf Fragen aus den Zuhörerreihen ein. Und überhaupt war die Zeit viel zu kurz bemessen, um eines der Themen ausführlicher als in einem 15minütigen Vortrag zu behandeln. Aber es war immerhin ein Anfang!
Am Sonntag folgten dann weitere Lesungen arabischer SchritstellerInnen und Podiumsdiskussionen über viele spannende Themen. Eine davon war sicher die mit Fatima Mernissi, die eine interessante Theorie aufgestellt hat. Es geht darum, dass die arabischen "Eroberer" immer von all dem profitiert haben, was sie in den eroberten Ländern vorfanden und dass sie sich deshalb in der zeit ihrer größten Expansionen zur kulturellen und wissenschaftlichen Blüte entwickeln konnten, im Gegensatz zu den "amerikanischen Cowboys", denen es nur um Besitzanspruch und Macht ging. Dass hier nicht undeutlich eine Parallele zur Moderne durchzuhören ist, zumindest, was die amerikanischen Cowboys betrifft, schien Fatima Mernissi nicht unangenehm.

Näheres dazu auf ihrer Homepage unter: www.mernissi.net/books/articles/sindbad.html

Im "Forum", wo man arabische Bücher sortiert nach Themen fand, gab es ebenfalls weitere Gesprächsrunden, die auch endlich einmal wagten, mit dem eigenen Erbe kritisch umzugehen.

Überhaupt - denke ich - liegt der Erfolg der diesjährigen Buchmesse u.a. darin, dass sie vielen SchriftstellerInnen und Verlegern überhaupt erst Gehör verschafft hat. Erst durch die Buchmesse habe ich z. B. erfahren, dass es eine saudi-arabische Schriftstellerin gibt, die weit mehr als zehn Romane geschrieben hat,, von denen aber bisher kein einziges in irgendeiner europäischen Sprache übersetzt wurde. Insha'allah ändert sich das ja durch diese Buchmesse - und das wäre dann ein weiterer Erfolg!

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