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Malerei
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Die Bilder von Ismael Shammout sind das wichtigste Erbe für die palästinensische Kultur
Lana Odeh, Übersetzung: Andrea Moritz
Aus Leiden und Elend entspringt meistens Kreativität und das Leiden kann sogar Menschen formen, die Geschichte machen. Hierbei handelt es sich nicht um gewöhnliche Menschen sondern sie ragen in hohem Maße über andere hinaus, wie der verstorbene Künstler Ismail Shammout.
Es ist schwer, über die zeitgenössische bildende Kunst in der arabischen Welt im Allgemeinen und die palästinensische im Besonderen zu sprechen, ohne über Ismael Shammout zu sprechen. Shammout ist ein Pionier und Gründer der Kunst in Palästina. Er beschäftigte sich während 55 Jahren seines Lebens mit der Palästina-Frage. Auch während seiner letzten Lebenstage bevor er am 3. Juli 2006, starb galt sein Wunsch seinem deutschen Arzt, er möge die anstehende Operation erfolgreich ausführen, damit er zwei bereits begonnene Bilder fertig stellen könne. Er hinterließ ein gigantisches Erbe, das eine Schule in der Welt der Malerei begründen wird.
Shammout wurde 1930 in der Stadt Alled in Palästina geboren. Mit 18 Jahren wurde er durch die israelische Besatzung aus seiner Heimatstadt vertrieben und floh in eines der Flüchtlingslager in den Gazastreifen. Von dort siedelte er nach Kairo um, um als erste Palästinenser dort Kunst zu studieren. Danach besuchte er in Rom die Kunsthochschule. Von Rom ging er nach Beirut. Er hatte zahlreiche Ausstellungen sowohl in der arabischen Welt und als auch in Europa u. a. in Deutschland hatte. Neben einer Reihe von Büchern und anderen Veröffentlichungen produzierte er mehrere Dokumentarfilme. Er erhielt zahlreiche Preise. Seine Bilder sind in den bedeutendsten Museen der Welt vertreten, u. a. in der Berliner Nationalgalerie. 2005 wurden er und seine Frau Tamam al Akhal unter die 10 bedeutendsten Künstler der Welt gewählt.
Seine künstlerischen Werke werden auf ungefähr 1000 Bildern geschätzt. Mit diesen Bildern hat er immer wieder versucht, die palästinensische Wirklichkeit zum Ausdruck zu bringen.
Er gehörte keiner Malschule an, sondern begründete seine eigene Schule. Mit seinen Bildern hat er sich für das palästinensische Schicksal eingesetzt die auf Schlichtheit und Berührung der Seelen der anderen basiert. Auf diese Weise setzte er sich mit seiner Umwelt auseinander.
Sein größtes Interesse galt dabei dem Ausdruck seines Empfindens, das durch seine Verbundenheit mit dem menschlichen Schicksal- dem palästinensischen insbesondere und dem arabischen allgemein - entsteht.
Mit seinen Bildern hat er das zum Ausdruck gebracht, was keine Kamera zeigen kann. Mit seinen professionell ausgewählten Farben konnte er das palästinensische Schicksal veranschaulichen, wie es manche Politiker nicht können. In seinen Werken bildete er die eigene kulturelle Identität ab und nutzte so die Kunst, um sie der Menschheit zu überliefern.
So initiierte Ismail Shammout die bildende Kunst in Palästina und auch das kulturelle Gedächtnis des palästinensischen Volkes. Shammout malte in vielen seiner Bilder Themen der Volksdichtung und traditionelle Tänze.
Die palästinensische zeitgenössische Kunstbewegung entstand, wenn der Künstler sich als Teil dieser Gesellschaft versteht. Er fühlt ihr Leid, Glück, ihre Lieder, ihre Realität, ihre Hoffnungen. Der Betrachter identifiziert sich mit den Bildern, findet seine Gedanken, Gefühle, Hoffnungen darin widergespiegelt.
Seine Bilder tragen in sich den Geist des Stolzes und eröffnen den Weg zu einem Leben, in der trotz allem das Licht der Hoffnung leuchtet.
Shammout beschäftigte sich nicht nur mit Malerei sondern betreute auch zahlreiche palästinensische Künstler, während er 1969 Präsident der ersten palästinensischen Kunstunion und 1971 Präsident des ersten arabischen Kunstverbandes war. Er förderte junge palästinensische Künstler und schreib zahlreiche Bücher über Volkskunst und akademische Kunst.
Weil die Kunst mit dem menschlichen Schicksal verbunden ist, durchlief Shammouts Schaffen und sein Leben mehrere Etappen. Eine wichtige Etappe waren die 50er Jahre, in denen er einen einfachen, realistischen Stil ausprägte. Während dieser Zeit entstanden u. a. Bilder wie "Wohin?", " Rückkehr", "Beginn des Schicksals", "Ein Schluck Wasser", "Erinnerungen".
Diese herausragenden Werke, die nicht genug gewürdigt werden können, haben eine nachhaltige Wirkung auf das kulturelle Selbstverständnis.
Es folgte in den 60er Jahren eine Phase der palästinensischen Freiheitsbewegung und löste damit die Phase des Selbstmitleides ab und es begann der palästinensische Widerstand.
Diese Phase äußert sich in der Wahl der Farben und einer Stimmung voller Freude und Hoffnung: "Ein Brautpaar an der Grenze", "Siegestanz", "Palästinensisches Lied", "Die grüne Hand", "Ewiges Leben", "Der Frühling" u. a. in einem symbolisch-expressionistisch-realistischen Stil.
Eine driette Phase liegt in der Mitte der 70er Jahre. Beeinflusst durch die Ereignisse in den Flüchtlingslagern "Tal es satar" (Hügel des Satars) und "Gesr al basha" (Paschabrücke) und die israelische Aggression im Libanon nahm die Stimmung in seinen Bildern eine Wende hin zu Trauer, Depression und Resignation. Er benutzte sehr aggressive Farben in den Bildern, die 1976 unter dem Titel "tal es satar" entstanden. Bei diesen Bildern kam der neue Aspekt des spontanen Ausdrucks hinzu.
Nach 20 Jahren in Beirut siedelte Shammout nach Kuwait um. In dieser Zeit nahmen seine Bilder eine verträumte und romantische Stimmung an. Aus politischen Gründen war Shammout Anfang der 90er Jahre gezwungen, das Land zu verlassen. Er zog nach Deutschland, wo er zwei Jahre blieb. In dieser Zeit malte er romantische und symbolhafte Bilder. Den wichtigsten Lebensabschnitt verbrachte er in Jordanien. Dort war er seinem Heimatland Palästina nah, von dem er träumte.
Shammout und seine Frau Tamam al Akhal - ebenfalls Künstlerin und eine Pionierin in der Kunst - ergänzten sich gegenseitig sowohl seelisch als auch künstlerischin ihrem Bemühen, die Realität zum Ausdruck zu bringen. Nach 49 Jahren der Sehnsucht nach der Heimat bekamen sie endlich die Gelegenheit, ihre Heimatorte Alled und Jaffa wieder zu sehen. Dieser Besuch der Heimat war derartig überwältigend, dass sie von Erinnerungen und Bildern aus der Vergangenheit regelrecht überflutet wurden. All diese Gefühle manifestierten sich in 19 gigantischen Bildern im Format 165 x 200 cm unter dem Titel "al sirah wal masirah" (Lebenszeit und Schicksal), in denen sich künstlerische Erfahrungen aus mehr als einem halben Jahrhundert widerspiegeln. Diese Bilder erzählen die Geschichte eines Volkes, das vertrieben wurde, sein Leid, seine Trauer, seine Freude. In realistischem Stil zeigen die Bilder die wichtigsten Ereignisse der Geschichte des palästinensischen Volkes.
In Shammouts Bildern gewinnt dieser Entwicklungsprozess des palästinensischen Volkes künstlerischen Ausdruck. Ein Prozess, für den er sein Leben lang gearbeitet hat. Der Tod Isamil Shammouts hinterließ eine Leere in der Kunstszene in Palästina, der arabischen Welt und der gesamten Welt. Er war ein begnadeter Künstler und er wird in den Herzen der Palästinenser und aller Araber weiterleben und in die Geschichtsbücher der Kunst eingehen. |
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