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CD - Besprechungen


Safi, von Ray Lema und Tyour Gnaoua

Wenn sich zwei zusammentun, die fest in ihren Traditionen verwurzelt sind, ist es ihnen auch möglich, über Rand ihres Suppentellers hinauszuschauen bzw. und zu musizieren. So zu hören auf der CD „Safi“ von Ray Lema, einem aus dem Kongo stammenden Pianisten und Gitarristen, der eigentlich eine klassisch-abendländische Musikausbildung hat. So hat er in seiner Jugend Bach und Mozart gespielt, auch Beethoven und vor allem Gottesdienste auf der Orgel begleitet. Möglicherweise liegt hier bereits der Grundstein dafür, daß sich Ray Lema so selbstsicher mit einer ihm bis dahin völlig fremden religiösen Musikkultur auseinandersetzen konnte. Die Gnaoua-Tradition, von der man bis heute nicht genau weiß, woher sie kommt hat bisher in Marokko überlebt. Einige Quellen sprechen für Sklaven aus dem Sudan, die im 16 Jahrhundert nach Marokko kamen, andere sehen den Ursprung eher in den Berberstämmen in den
marokkanischen Weiten der Gebirge. Zu den traditionellen Auftritten der Gnaoua gehören Umzüge, festliche Mahlzeiten, Krankenheilung, Geisteraustreibung und eine dazu nötige hypnotisierende Musik. 

Eine wunderschöne Einheit bilden die 11 Titel, die jeweils einen sehr eigenen Charakter haben. Einmal dominiert mehr die Musik afrikanischen Ursprungs, der z. B. durch der Kora und vor allem durch der Stimme von Ray Lema zum Tragen kommt. Ein andermal sind es die trancinduzierenden, zum Teil sehr treibenden Rhythmen, die vor allem von den – eigentlich nicht der Tradition entsprechend – dezent zu hörenden Karkabous, den sehr scheppernd klingenden Riesenkastagnetten, geführt werden. 

Wer Original-Gnaoua-Musik erwartet, wird von dieser CD sicher nicht angesprochen fühlen. Aber als Einstieg in diese so sehr weit entfernte Musik, die doch erheblich fremder ist als z. B. die arabische oder afrikanische Pop-Musik, ist sie bestens geeignet. 

Für fortgeschrittene Hörer ist sie ein Insider-Tip, der den Größen der afrikansichen Musik, die in Europa oder Amerika produziert wurde in nichts nachsteht.

Wer übrigens bei Hören einmal das Booklet durchblättert und die ahnungsvollen Fotos entdeckt, wünscht nichts sehnlicher als einen Videoclip oder gar einen kleinen Dokumentarfilm über die Entstehung dieser CD. Vielleicht sollten Labels bei der Produktion einer derartigen CD gleich von Anfang an einmal darüber nachdenken!

Safi, von Ray Lema ist 2000 bei BUDA-Musique mit der Nummer 82213-2 erschienen. 

AllaTurca, Sarband

Was da von JARO und Vladimir Ivanoff mit seiner Gruppe SARBAND als "Oriental Obsession" in der Reihe "L'Orient Imaginaire" angeboten wird, scheint mir doch - soweit man das überhaupt anhand alter Quellen einschätzen kann - mehr oder weniger authentisch. Nach der Vorankündigung hatte ich mir mehr Musik im Stile des mozartschen Alla turca Version 3 (Nr. 9) vorgestellt. 

Aber hier ist nicht der verwegene oder überheblich-eurozentristische Versuch unternommen, europäische Musik zu "orientalisieren", oder sich von einer fiktionalen Seite dem Orient und seiner Kunst zu nähern, sondern Vladimir Ivanoff hat einmal mehr alte und schwer zugängliche Quellen aufgetan und bearbeitet.  

Das Ergebnis ist angenehme Musik, die bisweilen sehr getragene religiöse Lieder (Nr. 14 + 18, beide mit Stimme und Lautenbegleitung, etwa im Stile des Kirchenliedes "Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen", das ja aus etwa der gleichen Zeit stammt), bisweilen
typisch mittelalterlich klingende Musik wie etwas das Stück von Heinrich Isaac (Nr. 11) "Allahay" und schließlich eine ganze Reihe von "echter" türkischer Musik vom Mittelalter bis zur Renaissance umfasst. 

In der Bearbeitung von Vladimir Ivanoff spielen typisch türkisch-orientalische Instrumente wie Nay, Oud, Kanun, Kemence und Bendir zum Teil neben Violoncello, Oboe, Laute und Fiedel zum Teil spielen sie miteinander als wenn sie nie etwas anderes getan hätten!

Diese Musik in eine Reihe einzugruppieren, die sich "L'Orient Imaginaire" nennt, halte ich für irreführend. Wie imaginativ ist diese Musik, oder besser, was daran ist imaginativ? Sollten denn nicht auch Europäer, die - wie dem Booklet zu entnehmen ist - immerhin fast 20 Jahre lang am osmanischen Hof lebten und auch als Musiker tätig waren, in der Lage gewesen sein, die türkische Musik (mit den ihnen damals zur Verfügung stehenden Mitteln) einigermaßen korrekt zu notieren? 

Solange mir niemand etwas anderes beweisen kann, werde ich mir die mittalalterliche Musik bis ins 18. Jahrhundert so oder ähnlich vorstellen - und sie genießen!

AllaTurca, Oriental Obsession von Sarband ist 2000 bei JARO Medien GmbH mit der Nr. 4237-2 erschienen.

Youm wara Youm, Samira Saeed

Der Sommerhit des Jahres 2002 aus Ägypten - und die Entdeckung auf dem Weltmusikmarkt

Gleich der erste Titel Youm wara Youm (=Tag für Tag) im Duett mit Cheb Mami ist für mich ein Hit wie Desert Rose mit Sting und Cheb Mami vor zwei Jahren. Während Samira Saeed verhältnismäßig streng bei ihrem Stil der ägyptischen Popmusik bleibt, bring Cheb Mami unverkennbar das Element des algerischen Rai mit ein. Und beides mischt sich hervorragend, ohne den Anschein von gewollter - aber oft wenig gekonnter - Fusionmusik zu haben. Ganz im Gegenteil: Man hört und merkt deutlich, dass beide Musiker aus der gleichen Wiege stammen. Immerhin ist Samira Saeed gebürtige Marokkanerin und war in Marokko bereits vor 35 Jahren ein Star. Die gemeinsame nordafrikanische Wurzel ist also nicht zu verleugnen.

Aber auch in allen anderen Titeln schafft es die Wahlägypterin immer wieder, den Zuhörer so zu fesseln, dass sich bereits nach ein paar Mal hören der ein oder andere Ohrwurm einstellt.

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