 |
Aktuelles
Historisches
Kritisches
Frauen
Die Gaben der Natur
Musik
Tanz
Literatur
Malerei
Architektur
Kino
arabische Traditionen
Festivals
Austellungen
Zeitschriftenarchiv
Künstlerverzeichnis
Termine
Sitemap
Newsletter
|
Musiktheorie
|
Das klassisch-arabische Musikensemble Takht
Ulrike-Zeinab Askari
Eine nicht ganz leicht zu definierende Frage ist die nach der Klassik in der arabischen Musik. Ab wann gibt es klassische Musik und was genau definiert man als klassisch-arabisch?
Daher möchte ich mich der Thematik von einer etwas anderen Seite nähern. Nämlich über die Besetzung der Musikensemble.
Historische gesehen ist das alles etwas schwieriger als bei der europäischen Musik, da in der arabischen Musik erst sehr spät Noten aufgeschrieben wurden (ca. ab …). Das war auch nicht so dringend nötig, denn in der arabischen Musik gibt es nicht die komplizierten Gebilde von Harmonien unter einer Hauptmelodie sondern es gibt immer nur eine Melodie. Und diese wird dann von allen mitwirkenden Instrumenten gespielt.
Im arabischen Mittelalter - man definiert es als die Zeit um Harun al-Raschid ca. 1100 n. Chr. - bestanden die Musikensemble hauptsächlich aus Oud, wobei es durch historische Aufzeichnungen belegt ist, dass in derartigen Ensembles bis zu 100 (!) Instrumentalisten spielten (so am Hofe von Cordoba). Ich vermute, dass zu der Zeit ach bereits Schlaginstrumente wie Daff und Riqq mit eingesetzt wurden, um den Rhythmus zu markieren. Die Nay als Ensemble-Instrument ist erst sehr spät belegt, obwohl das Instrument selbst vermutlich noch ca. 1.000 bis 2.000 Jahr älter ist als der Oud.
Die ersten Belege, dass Nay und Oud zusammenspielten, gibt es auf Abbildungen von persischen Miniaturen um ca. 1600 n. Chr. D.h. kurz vor der Blüte des osmanischen Reiches. Der Qanun, das Instrument, das den arabischen Theoretikern hauptsächlich als Lehrinstrument galt, an dem man wunderschön die arabischen Maqam demonstrieren bzw. ihr Ableitung erläutern konnte, ist in arabische Orchestern ebenfalls erst sehr spät belegt. Mir ist zumindest kein Beleg, sei es literarischer Art oder in Abbildungen bekannt, bei denen in einer Musikgruppe der Qanun dabei war.
Noch wesentlich später hielt auch die Kamaga (die heutige Spießgeige), die in den modernen Orchestern durch eine Violine ersetzt wird, in das Ensemble Einzug.
Weitere Streichinstrumente wie Cello und Kontrabass sind erst im Zuge der Modernisierung und Öffnung der arabischen Kultur für europäische Vorbilder Anfang des 20. Jahrhunderts belegt. Bei den ersten Plattenaufnahmen von Um Kulthum z. B. spielen je ein Oud, eine Nay, Riqq und Tablah sowie eine Kamaga mit. In manchen Aufnahmen ist statt der Kamanga ein Qanun dabei oder einige Jahre später auch beide Instrumente, wobei die Kamanga sehr früh durch eine Violine ersetzt wird und oft auch mindestens doppelt oder vierfach besetzt ist.
Im Laufe der Jahre erweiterte sich ihr Musikensemble auf regelrechte Sinfonieorchester mit bis zu 70 Musikern, zu denen ganze Streichergruppen mit Geigen, Celli und Kontrabass gehörten. In den Kompositionen von Mohamed Abdel Wahab, der sehr viele Einflüsse aus der westlichen Musik verarbeitete wie z. B. lateinamerikanische Rhythmen, tauchten auch erstmals das Akkordeon im Orchester auf, ein Saxophon und zu guter Letzt das Keyboard. In den 50er Jahren war es noch die Hammondorgel.
In den Orchestern von Mohamed Abdel Wahab gibt es regelrechte Brasssections, Streicher sind bei ihm nicht so stark vertreten, dafür aber die Percussiongruppe. Er und andere Komponisten experimentierten mit der Besetzung und fanden viele europäische Instrumente, die interessante Klangfarben in die arabische Musik brachten. Leider oft auf Kosten der typisch arabischen Melodien bzw. zugunsten von Maqamt (Tongeschlechtern), die keine Vierteltöne enthielten, da sie sonst von den europäischen Tasteninstrumenten spielbar gewesen wären.
Wenn ich also von Ensembles für klassisch-arabische Musik spreche, dann meine ich eine Besetzung, die allein auf Grund ihre Bauweisen in der Lage sind, die typisch arabischen Maqamat mit ihren Viertel und Dreivierteltönen zu spielen: Oud, Nay, Qanun, Violine (Cello und Bass eventuell) und schließlich Percussion von Daff, Riqq und Tablah.
Dabei können durchaus mehrere Oud, Nay und Violinen mitspielen. Dass mehrere Qanun mitspielen, habe ich bisher nur in Schüler- oder Studentenorchestern gesehen. Solche traditionellen Ensemble heißen auf Arabisch Takht.
Ein derartiges Ensemble hat Mohamed Askari vor einigen Jahren in Berlin aufgebaut. In der ersten Zeit nach der Gründung spielen das Ensemble oft in großer Besetzung mit bis zu 9 Personen auf Kulturveranstaltungen in Berlin und Umland. Der nächste größere Auftritt des Berliner Takht Ensembles ist das Konzert zur Eröffnung der WoO am 4.3.2004 im Jemenpavillon in Hannover. Die beiden Veranstalterinnen der WoO Asmahan El Zein und Nasra haben für ihr 5jähriges Jubiläum keine Kosten und Mühen gescheut, ein qualitativ hochwertiges Rahmenprogramm zu bieten. |
|
 |