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Arabische Traditionen
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"Kulturvogel" Falke
Zu Gast in der größten Falkenklinik der Welt
Text und Fotos: Barbara Schumacher
In einigen Ländern der Golfstaaten, wie z. B. Emirate, Qatar, Saudi Arabien, ist der Falke ein wichtiger Bestandteil der Kultur und Tradition. Auch heute noch ist die Falkenjagd in der Wüste äußerst beliebt - bei jung und alt. Es gibt viele Geschichten und Gedichte über den Falken und er ist ein beliebtes Foto- und Malmotiv.
In der Nähe des Flughafens von Abu Dhabi befindet sich die größte Falkenklinik der Welt und die einzige Einrichtung dieser Art in den Emiraten. Wer umfassende Informationen über Falken und traditionelle Falkenjagd sucht, ist im dazugehörigen, kleinen Museum richtig. Besucher sind herzlich willkommen.
"Der traditionelle Jagdfalke, den man aus dem täglichen Leben der Beduinen kennt, ist der Sakr |

Mohammed und Falke |
Falke. Der schnellste und neueste Hybrid Falke heißt Gyr Falco Peregrinus; er hat besonders starke Federn und ist weniger anfällig für Krankheiten. Die weiblichen Vögel sind die besten und aggressivsten Jäger", erklärt Mohammed mit einem Falken auf der handschuhgepolsterten Hand, während wir im Eingangsbereich der Falkenklinik die Schautafeln und ausgestopften Falken im kleinen Falkenmuseum studieren. "Der teuerste Falke der Welt ist der Gyr Pure, oft auch nur Pure genannt. Für ein Prachtexemplar muss man bis zu 150.000 Euro rechnen. Hier in Abu Dhabi liegen die Preise für gute und gesunde Falken bei etwa 20.000 bis 50.000 Euro. Die Falkenklinik ist eine praktische Einrichtung, Falken vor dem endgültigen Kauf auf Krankheiten untersuchen zu lassen, um sicher zu gehen, für den hohen Preis einen wirklich gesunden Falken zu bekommen", so Mohammed mit Blick auf den prächtig aussehenden Pure auf seiner Hand.
Dr. med. vet. Margit Gabriele Müller ist Leiterin des Abu Dhabi Falcon Hospitals. Die aus der Nähe von München stammende deutsche Ärztin, von Kollegen und Angestellten respektvoll Margit genannt, hat 13 Jahre Erfahrung mit Falken und an der Uni München über Falken promoviert. Ich folge ihr durch mit Gemälden, Stichen und s/w Fotos von Falken geschmückte Gänge in den Operationssaal und darf mit Schutzkleidung, Mundschutz und einer Haarhaube versehen, bei der Endoskopie eines Falken zusehen. "Etwa 4.200 Falken werden pro Jahr hierher gebracht. Die gefiederten Patienten werden untersucht, ggfs. operiert und hospitalisiert", ist zu erfahren. "Die so genannten Ankaufsuntersuchungen sind sehr beliebt. Sie gehen relativ schnell, in der Endoskopie können wir rasch erkennen, ob der Falke z. B. Entzündungen hat. Dieser Falke hier hat z. B. eine Luftsackentzündung. Ich werde dem Käufer in Spe sagen, dass der Vogel krank ist und er entscheidet dann, ob er ihn kaufen will oder nicht. Eine Untersuchung dauert 10-20 Minuten und ist erschwinglich - in Deutschland würde sie etwa 1.000 Euro kosten, hier deutlich weniger. Falken sind sehr anfällig für Pilzsporen aus der Luft, die auch oft aus Klimaanlagen kommen. Diese Sporen können tödlich sein. Die von ihnen verursachte Krankheit heißt aspergillosis und ist die gefürchtetste Krankheit".
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Die Klinik hat derzeit 18 Mitarbeiter: Margit hat einen Assistenten und sie hat gerade einen "Trainingsdoktor" ausgebildet. Da es in den Emiraten keine entsprechende Ausbildung gibt, haben die sechs Tierarzthelfer ihre Ausbildung über einen Fernstudienlehrgang aus den USA absolviert. Ich kann mich davon überzeugen, dass sie ihre Arbeit engagiert machen und liebevoll mit den Vögeln umgehen. "Eine wichtige Rolle spielt unser Labor. Von den vier Angestellten, die aus Indien stammen, hat einer einen Doktortitel in Molekularbiologie und ein anderer einen Magister in Mikrobiologie. Das Labor fungiert als Vogelgrippelabor für Abu Dhabi. Das zweite Labor befindet sich in Sharjah und ist zuständig für die übrigen sechs Emirate", so Margit. "Manchmal ist hier richtig viel los, wir hatten schon 42 Endoskopien an einem Tag. Pro Tag sind etwa 60 Vögel in der Klinik, maximal haben wir 120 stationär aufgenommene Falken. Alle Endoskopien werden als Video archiviert, damit können wir die gesundheitliche Entwicklung der Falken feststellen".
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Klinkleiterin Dr. Margit |
Inzwischen wird Mohammeds Falke endoskopisiert und wenig später starrt Mohammed entsetzt auf den Bildschirm, während Margit ihm die Diagnose vorträgt: Pilze. Auf die Frage, was man da tun kann, antwortet Margit: "Man kann eine Medizin verordnen, aber es ist nicht sicher, dass der Falke ein guter Jäger wird. Sie können den Falken auch hier lassen, er kann eine 4-wöchige Kur machen". Während Mohammed nachdenkt, gehen wir in den nächsten Diagnoseraum, dort warten 6 weitere Falken. Ein Wanderfalke wurde am hinteren Zeh operiert, nun wird gecheckt, wie die Wunde verheilt ist. "90 Prozent unserer Patienten sind weibliche Vögel. Sie sind generell ein Drittel größer als die Männchen. Sie können schwerere Beute greifen und sind bessere Jäger als die Männchen. Während ihres Aufenthalts in der Klinik wachsen Schnabel und Krallen, die wir dann schneiden müssen. Falkenjagd kann nur im Winter stattfinden, denn im Sommer sind die Falken in der Mauser. Die kann gefährlich sein, denn die Vögel können bei zu viel Verlust von Federn verbluten. Zum Mausern bringen viele Falkner im März/April ihre Vögel hierher. Wir haben spezielle Volieren mit Klimaanlagen. Nur Vögel etwa gleicher Größe kommen in eine Voliere. Dort können sie sich bewegen und ihre Muskeln trainieren, werden nach Plan mit Spezialfutter, wie Wachteln, Mäusen und Vitaminen für kräftige Federn, versorgt, bevor sie im September/Oktober entlassen werden. Jährlich "übersommern" hier ca. 40 Vögel".
Es gibt ein spezielles Programm für z. B. am Flughafen konfiszierte Falken: im Rahmen des "Sheikh Zayed Auswilderungsprogramm" werden von Margit und einigen Vorständen der Environment Agency Abu Dhabi solche Falken hochoffiziell ausgewildert. "Der Transport von 60 bis 100 Vögeln erfolgt in Spezialboxen in einer Frachtmaschine mit Ziel Islamabad in Pakistan. Nach dem Flug bringen wir die Falken mit dem Auto höchstpersönlich in entlegene Gebiete, z. B. nach Chitral, ein Ort in den Bergen. Dort suchen wir geeignete Plätze mit viel Wasser, guten Beutemöglichkeiten und wenigen Menschen. Jeden Tag lassen wir einige Vögel frei, damit genügend Beute für alle da ist. Etwa 10 Prozent der Falken tragen Satellitentransmitter zur Weiterverfolgung".
Auf meine Frage, woher die Jagdfalken in den Emiraten kommen, antwortet Margit: "Die meisten kommen aus Deutschland, England und den USA. Nur ca. 8-10 Prozent werden in den Emiraten gezüchtet - in Al Ain und Dubai gibt es eine Falkenzucht". Natürlich weiß Margit auch viel über die Geschichte der Falken. "Im Mittelalter waren Falken in Europa Statussymbol der Adligen und Könige. In den Emiraten ist das Leben mit Falken eine Tradition der Beduinen. Sakr Falken und Wanderfalken wurden auf der arabischen Halbinsel gefangen und gezähmt. Der Falke hat für Nahrungsbeschaffung der Beduinen gesorgt und damit dazu beigetragen, dass die Familien überlebten. Für die Beduinen war der Falke kein Statussymbol, sondern er wurde als wichtiges Familienmitglied angesehen. Noch heute hat sich dieses Verhältnis erhalten. So wie eine Mutter ihr krankes Kind zum Arzt bringt, bringt der Vater den Falken zu mir. Wenn die Falken in der Klinik sind, fragen die Besitzer jeden Tag nach ihnen, sie machen sich Sorgen und besuchen die Vögel, behandeln sie also wie eigene Kinder. Die Tradition ist sehr wichtig. Alle Bevölkerungsschichten besitzen Falken. Die Kunden der Klinik stammen daher auch aus allen Bevölkerungsschichten, vom armen Beduinen bis zu Mitgliedern der regierenden Familie Al Nayan".
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Am Ende des Besuchs möchte ich wissen, wie Margit zu dieser Stelle kam. "Ich kam 1993 nach Dubai, um dort ein Praktikum im Zusammenhang mit Falken zu machen. Das muss sich herumgesprochen haben, denn ich erhielt einen Anruf mit dem Angebot, die Leitung dieser Klinik zu übernehmen. Mich als Frau durchzusetzen, war zunächst schwer, aber jetzt habe ich damit längst keine Probleme mehr. Anfangs brachten meist alte Beduinen ihre Falken zu mir, sie haben mich nicht angeschaut und waren höchst skeptisch. Mittlerweile haben sie volles Vertrauen in meine Arbeit und klopfen mir mit einem freundlichen "Hey, Doc" auf die Schulter. Ich habe die ausgezeichneten Möglichkeiten, die mir von Herrn Al Bowardi, Chef der Klinik und Generalsekretär des Abu Dhabi Executive Council, geboten wurden, genutzt und die ursprünglich kleine Klinik ständig vergrößert und komplett durchorganisiert. Wir haben jetzt hier die besten diagnostischen Möglichkeiten. Mir gefallen die vielen internationalen Kontakte und die tägliche Arbeit mit den Falken, wofür bei der Filigran-Arbeit, die bei Operationen notwendig ist, die kleinen Hände einer Frau optimal sind".
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Falke im OP |
Information: Für Touristengruppen und individuelle Besucher steht ein sehr gut ausgestattetes traditionelles majlis (Besucherzelt) zur Verfügung. Gäste sind in der Falkenklinik gern gesehen, wenn sie sich rechtzeitig vorher anmelden. Einzelheiten zu Anmeldung, Programm und Kosten im Internet: www.falconhospital.com |
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